Die Sonne brennt seit Wochen auf unsere Gärten herab, so darf ich die Gelegenheit nützen, Sie darauf hinweisen, dass Ihre Blumen- und Gemüsebeete sich für eine großzügig angebrachte, dicke Schicht Mulch bestimmt dankbar erweisen würden. Nur so erhalten Sie die verbleibende Feuchtigkeit im Boden, und Ihre grünen Lieblinge werden die Zeit bis zum nächsten Regen unversehrt überstehen.
Als Mulch verwende ich Rasenschnitt oder Laub. Rindenmulch müsste man kaufen, was für mich persönlich nicht in Frage kommt, schließlich schöpft man als Naturgärtner lieber aus den eigenen Quellen. Beim Rasenmähen halte ich mich derzeit auch zurück, denn höheres Gras vermindert naturgemäß Feuchtigkeitsverlust, während kurz geschorene Rasenflächen schon jetzt, Ende April, einen hässlichen Braunstich aufweisen. Sollten Sie kein Laub im Garten lagernd haben, kann ich ihnen nur empfehlen, in Zukunft vorzusorgen. Bekanntlich fallen im Herbst massenhaft Blätter von den Bäumen. Statt sie zu verbrennen, sollten wir sie in den Wachstumskreislauf unserer Gärten einbinden.
Immer wieder bin ich überrascht, wie wenig Verständnis für die Zusammenhänge natürlicher Kreisläufe auch viele Gartenbesitzer in unseren Breiten haben. Es gibt in der Natur nichts, was nicht weiter verwendet werden könnte. Verrottbares landet auf dem Komposthaufen, dem Herzen jeden gesunden Gartens, Äste und gröbere Gartenabfälle lagern im hintesten Winkel Ihres Grundstücks und bieten dort als „Igelhotel“ Lebensraum und Rückzugsmöglichkeit für viele Tiere.
Selbst für den Fall, dass Sie auf Ihrem Grundstück eine Ölquelle finden, wird sich eine Nutzung dafür finden. Zur Abrundung Ihres Selbstversorger-Portfolio wäre so ein Fund gar nicht von Übel. So wäre Ihre Mobilität gesichert und Ihr persönlicher Energiebedarf im Verbund mit Solaranlage, Erdwärmepumpe und Kachelofen zu 100% abgedeckt.
Ich selbst hege allerdings auch gewisse Vorbehalte gegenüber einer Öl- oder Gasförderung im eigenen Garten. Das technische Equipment kommt schon einmal optisch nicht an eine Gartenhütte aus dem Hause Fürst/Willersdorf, oder eine Apollostatue aus einem Unterwarter Gartencenter heran – und selbst wenn man die Pumpen mit Efeu, Clematis und Geißblatt überwachsen ließe, so würde man dem Duft der blühenden Glyzinie gegenüber dem der Gaspipeline doch eindeutig den Vorzug geben.
Der Gedanke mag hier, in einer mit Thermalwasser gesegneten Region, abwegig erscheinen. In Oklahoma hingegen sind Gas- und Ölpumpen auf Privatgrundstücken keine Seltenheit. Die werden allerdings, das sei eingeräumt, nicht privat betrieben. Die Oklahomarische Gas- und Erdölfördergesellschaft besorgt das für die Leute. Eine Art BEGAS mit eigener Förderung sozusagen.
Ein eigenes Ölfeld fände ich schon interessant, eventuell noch auf Oberschützer Hotter, aber doch weit genug weg, dass mir und meinen Mitbürgern, die ja dann größtenteils meine Angestellten wären, keine Lärm- oder Geruchsbelästigung entsteht. Dagegen könnten sich nämlich schnell Bürgerinitiativen bilden (wir erinnern uns an Zwentendorf oder Hainburg), und wer einmal die Kronenzeitung gegen sich hat, der kann in Österreich gleich einpacken – auch mit Ölquelle.
So bleibe ich vorläufig lieber beim Komposthaufen als Energiequelle für meinen Garten und beim Schreiben erhebender Lieder als Basis für meinen Wohlstand.
Wussten Sie, dass in Saudi Arabien zwischen den „sand-rich“, dem alten Landadel, und den „oil-rich“, den durch Öl aufgestiegenen Neureichen, unterschieden wird? In Oberschützen hingegen gibt es die „land-rich“, die Besitzer und Pfleger von Grund und Boden und die „time-rich“, die mit viel Urlaub.