Vorsatz für 2008: Urlaub vom Urlaub

Letztens habe ich Ihnen eine Rückschau auf 2007 versprochen. Inzwischen ist 2007 aber so out, dass wir uns lieber auf die Gegenwart und die unmittelbar bevorstehende wunderbare Zukunft konzentrieren wollen. Ich stelle beim Studium von http://burgenland.orf.at/ mit Entsetzen fest, dass auf meiner persönlichen Audi-Teststrecke zwischen Oberwart Nord und Riedlinsdorf Süd ein Mopedauto „zum Raub der Flammen“ geworden ist, der SC Eisenstadt wie die heilige Familie „auf Herbergssuche“ ist und im Südburgenland ein „tödlicher Sturz vom Dachboden“ stattgefunden hat. Nebenbei lese ich in meinem Hausblatt, dem Londoner Daily Telegraph, dass sich die Regierungschefs der wichtigsten EU-Staaten zu einem Arbeitsessen treffen, um ein paar spanische Geschäftsbanken vor dem Untergang zu retten. Gähn…

Was uns das laufende Jahr an regionalen Errungenschaften bringen wird, steht in den Sternen und den Papieren unserer Dorfältesten. Ich selbst bereite mich auf den Beginn der Saison mit einigen ausgiebigen Urlauben vor. An sich, sie wissen es, bevorzuge ich die eigenen bescheidenen vier Wände und urlaube 365 Tage zuhause. Heuer jedoch zwingt mich eine Kombination aus Umständen und Wunsch nach Veränderung zu ein paar kurze Ausflügen.

Die kommenden Tage bis zum Wochenende verbringe ich noch hier im Mittleren Westen der USA. Vielleicht finden Sie Okmulgee auf einer Landkarte. Während des Ölbooms der 30erjahre war Okmulgee die Stadt mit den meisten Millionären pro Einwohner in den USA (und damit wohl der Welt). Seither hat sich die Stadt aber eher zurückentwickelt. Ein Besuch zahlt sich trotzdem aus.

Barcelona, Paris, London und Lungau stehen im ersten Halbjahr 2008 noch auf dem Programm. Ich bin mir aber stets meiner Verantwortung gegenüber meinem Dorf bewusst – nicht zuletzt in Hinblick auf die bevorstehende Saison für den Verschönerungsverein.

In einem Moment der Schwäche habe ich übrigens eine zweite „Obmannschaft“ übernommen. Für die Dauer eines Jahres darf ich dem „Verein zur Förderung von Genuss durch Nachhaltigkeit“ vorstehen und dessen Interessen vertreten. Etwas sperrig der Name, ich geb’s zu. Aber wert, unterstützt zu werden, wenn Ihnen regionale Biolandwirtschaft etwas bedeutet. Der Verein hat sich sein Domain „Genusskisterl.at“ schon gesichert. Demnächst werden Sie dort virtuell Bioapfelsaft und Lavendel-Badesalze probieren können. Ich weiß, Sie können’s kaum erwarten.

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Bier, Spülmaschinen, Spatenstiche und Renaults

Ich tue heute das, was meine Omi bis zu ihrem 100sten Lebensjahr wohl täglich getan hat: Ich gönne mir abends ein Bier. Nicht weil ich glaube, dass ich deshalb auch so alt werden könnte. Im Falle meiner Omi gab es Bier üblicherweise zum Nachtmahl während der „Zeit im Bild“. Ich selber enthalte mich solch harter Drogen (wie der „ZiB“) und genieße den goldnen Trunk jetzt, nach getaner Arbeit im 4 ½-Stern „Superior“ Hotel, von wo ich eben erst heimgekehrt bin. Ich hoffe, dass mein Spiel und mein Gesang heute auch „Superior“ war.

Für Fernsehen, das wissen meine Freundinnen, hab’ ich keine Zeit. Dafür steht in meiner bescheidenen Küche ein Radio aus einer Zeit, als diese vorne noch mit Städtenamen versehen waren (was ich nie ganz verstanden hab’) und dazu gibt’s in meiner Einbauküche dank der Firma Tischlerei Ing. Manfred Kirnbauer, seit einem Jahr – Sensation! – eine Spülmaschine. Ja, bei uns kommt die Spülmaschine aus der Tischlerei.

Aus dem Radio erfahre ich, in welchem fernen Land gestern ein Erdrutsch stattgefunden hat und wo der Terror gerade Station macht. Ich darf Sie beruhigen: Hier in Oberschützen ist zur Zeit alles friedlich. Zum Glück sind wir hier nämlich nicht so wichtig wie wir uns nehmen – und daher ist Reisen mit Dr.Richard und Jürgen Blaskovits (Busunternehmer aus Stinatz und mein Sitznachbar im 5.Gym) noch eine verhältnismäßig sichere Angelegenheit (verglichen mit der pakistanischen Südburg zum Beispiel, wo’s teilweise eher brenzlig ist).

Apropos Spülmaschine: Nicht dass Sie jetzt glauben, ich würde mich deshalb nicht mehr über Essenseinladungen freuen. Das vergangene Jahr war in dieser Hinsicht nur ein Teilerfolg. Höchstens zweimal pro Woche hatte ich fixe Mittagseinladungen, den Rest der Zeit musste ich improvisieren.

Davon abgesehen war das vergangene Jahr (und ich denke, wir dürfen vorsichtig mit einer Rückschau beginnen) über und über gefüllt mit positiven Ereignissen wie Wirtschaftswachstum, Technologiezentrumseröffnungen, Spatenstichen für Siedlungsbauten, Gemeinderatswahlen - und mein Nachbar hat einen neuen Renault (Gott sei Dank nur ein Renault. Stellen Sie sich vor, es wäre ein Deutscher. Ich müsste glatt ein Upgrading des eigenen Fuhrparks in Erwägung ziehen).

Eine intensivere Rückschau auf 2007 erscheint demnächst hier.

Tipps für Serlbstversorger

Die Sonne brennt seit Wochen auf unsere Gärten herab, so darf ich die Gelegenheit nützen, Sie darauf hinweisen, dass Ihre Blumen- und Gemüsebeete sich für eine großzügig angebrachte, dicke Schicht Mulch bestimmt dankbar erweisen würden. Nur so erhalten Sie die verbleibende Feuchtigkeit im Boden, und Ihre grünen Lieblinge werden die Zeit bis zum nächsten Regen unversehrt überstehen.

Als Mulch verwende ich Rasenschnitt oder Laub. Rindenmulch müsste man kaufen, was für mich persönlich nicht in Frage kommt, schließlich schöpft man als Naturgärtner lieber aus den eigenen Quellen. Beim Rasenmähen halte ich mich derzeit auch zurück, denn höheres Gras vermindert naturgemäß Feuchtigkeitsverlust, während kurz geschorene Rasenflächen schon jetzt, Ende April, einen hässlichen Braunstich aufweisen. Sollten Sie kein Laub im Garten lagernd haben, kann ich ihnen nur empfehlen, in Zukunft vorzusorgen. Bekanntlich fallen im Herbst massenhaft Blätter von den Bäumen. Statt sie zu verbrennen, sollten wir sie in den Wachstumskreislauf unserer Gärten einbinden.

Immer wieder bin ich überrascht, wie wenig Verständnis für die Zusammenhänge natürlicher Kreisläufe auch viele Gartenbesitzer in unseren Breiten haben. Es gibt in der Natur nichts, was nicht weiter verwendet werden könnte. Verrottbares landet auf dem Komposthaufen, dem Herzen jeden gesunden Gartens, Äste und gröbere Gartenabfälle lagern im hintesten Winkel Ihres Grundstücks und bieten dort als „Igelhotel“ Lebensraum und Rückzugsmöglichkeit für viele Tiere.

Selbst für den Fall, dass Sie auf Ihrem Grundstück eine Ölquelle finden, wird sich eine Nutzung dafür finden. Zur Abrundung Ihres Selbstversorger-Portfolio wäre so ein Fund gar nicht von Übel. So wäre Ihre Mobilität gesichert und Ihr persönlicher Energiebedarf im Verbund mit Solaranlage, Erdwärmepumpe und Kachelofen zu 100% abgedeckt.

Ich selbst hege allerdings auch gewisse Vorbehalte gegenüber einer Öl- oder Gasförderung im eigenen Garten. Das technische Equipment kommt schon einmal optisch nicht an eine Gartenhütte aus dem Hause Fürst/Willersdorf, oder eine Apollostatue aus einem Unterwarter Gartencenter heran - und selbst wenn man die Pumpen mit Efeu, Clematis und Geißblatt überwachsen ließe, so würde man dem Duft der blühenden Glyzinie gegenüber dem der Gaspipeline doch eindeutig den Vorzug geben.

Der Gedanke mag hier, in einer mit Thermalwasser gesegneten Region, abwegig erscheinen. In Oklahoma hingegen sind Gas- und Ölpumpen auf Privatgrundstücken keine Seltenheit. Die werden allerdings, das sei eingeräumt, nicht privat betrieben. Die Oklahomarische Gas- und Erdölfördergesellschaft besorgt das für die Leute. Eine Art BEGAS mit eigener Förderung sozusagen.

Ein eigenes Ölfeld fände ich schon interessant, eventuell noch auf Oberschützer Hotter, aber doch weit genug weg, dass mir und meinen Mitbürgern, die ja dann größtenteils meine Angestellten wären, keine Lärm- oder Geruchsbelästigung entsteht. Dagegen könnten sich nämlich schnell Bürgerinitiativen bilden (wir erinnern uns an Zwentendorf oder Hainburg), und wer einmal die Kronenzeitung gegen sich hat, der kann in Österreich gleich einpacken – auch mit Ölquelle.

So bleibe ich vorläufig lieber beim Komposthaufen als Energiequelle für meinen Garten und beim Schreiben erhebender Lieder als Basis für meinen Wohlstand.

Wussten Sie, dass in Saudi Arabien zwischen den „sand-rich“, dem alten Landadel, und den „oil-rich“, den durch Öl aufgestiegenen Neureichen, unterschieden wird? In Oberschützen hingegen gibt es die „land-rich“, die Besitzer und Pfleger von Grund und Boden und die „time-rich“, die mit viel Urlaub.

Selbstgebastelte Fußballzeitungen

Ein Artikel in den Oberösterreichischen Nachrichten hat mich so gerührt, dass ich ihn hier gerne verlinke. Meine Präsentation des Südburgenlandes hat in Linz offenbar einigen Eindruck hinterlassen, jedenfalls hat mich die Presse kurzerhand zum Tourismusdirektor gemacht. Die Idee gefällt mir ganz gut - theoretisch. Man sollte das Projekt „Torismusdirektor“ auf alle Fälle andiskutieren.

Andiskutieren - in Modewort, das ich heute unbedingt unterbringen wollte. Etwas ausdiskutieren bedeutet ja, es zu Ende zu diskutieren und zu einem Ergebnis zu kommen. Davor wollen wir uns natürlich hüten , denn das würde ja bedeuten, dass wir Taten folgen lassen müssten. Andiskutieren bleibt unverbindlich…

In Eisenstadt durfte ich gestern eine illustre Runde von Medienvertretern und Sponsoren der burgenländischen Leichtathletik unterhalten. Das Laufteam Burgenland unter Rolf Meixner hatte geladen, ich brachte ein paar Nummern aus meinem kabarettistischen Repertoire und erzählte Schnurren aus unserer Jugend. Rolf war nämlich Mitbegründer des 1.FC Admira Oberschützen und des Austria-Bayern-Fanclubs, der etliche Mitglieder zählte. Mitgliedsbeitrag waren 15 Schilling im Monat. Dafür bekamen Fans die selbst-kopierte Klubzeitung zugeschickt und konnten Autogrammkarten von Toni Polster et al bestellen. Cool, gell!?!

Rolf hat die Idee von Klubgründungen in der Leichtathletik erfolgreich weitergeführt. Nur geht es diesmal um österreichische Meistertitel und internationale Wettbewerbe, also in etwas größerem Rahmen als zu Zeiten des 1.FC Admira Oberschützen. Statt im Pfarramt selbstgebastelte Fußballzeitungen zu kopieren, verkehrt er nun mit den Granden der burgenländischen Politik und Wirtschaft und denen des österreichischen Sports.

Aber man wird eben älter, und somit ändern sich auch die Ansprüche. So war mir als Jugendlicher die Idee völlig fremd, dass Geld im Fußball irgendeine Rolle spielen könnte. In meiner Vorstellungswelt kickte man einfach des Kickens wegen. Ob Fußballer viel oder wenig verdienen, war mir völlig egal, dazu fehlte mir einfach der Bezug.

Das hat sich aber grundlegend geändert, und nun konzentriert sich all mein Streben auf die Anhäufung eines Vermögens. Übrigens: Ich habe zwei neue Gemüsebeete angelegt, da werden in den kommenden Monaten Tomaten, Fisolen, Salat und Rettiche meine Lebensqualität (und die der spanischen Wegschnecken) verbessern.

Air-Gitarren-Competitions und Busenwiegen

Wie’s aussieht, werde ich am 28.4. als einziger Vertreter Oberschützens beim Aschauer Dämmerschoppen dabei sein. Meine jungen Mütter lassen mich diesmal offenbar im Stich. Das werden sie aber schon beim nächsten Jättermin bitter bereuen.

Hier in der Schützenstrasse geht alles seine geordneten Wege. Die Schotterstreifen an den Straßenrändern, letzte Boten des vergangenen Winters, sind längst weggefegt, die Tujen-Hecken erinnern uns an die goldenen 70er-Jahre, und die Ladies-Night-Plakatwand der Diskothek Coco-Loco in Pinggau, Pinzgau oder Grafenschachen (ich hab’s vergessen) verleiht dem oberen Ende unserer Straße weiterhin ein Kemeter-Gewerbegebiet-Flair. Air-Gitarren-Competitions werden da beworben, das stelle ich mir recht cool vor. Dazu brauchert ich aber nicht ausgehen, die mache ich daheim ohnehin mit meinem Neffen.

Was ich noch vermisse, ist die Ankündigung zum legendären Busenwiegen. Um das klar zu stellen: Hier werden Körperteile nicht im Takt durch die Nächte geschaukelt, es geht hier um einen Wettbewerb, den jene Teilnehmerin gewinnt, die am meisten Gewicht auf die Waage bringt.

Die Bewohnerschaft des ehrwürdigen Schulorts Oberschützen kann sich solches Tun gar nicht recht vorstellen. Ich werde dem Istvanits Edi einen Deal vorschlagen, so ein Gewichteheben auch bei ihm zu veranstalten. Vielleicht kann man die Vereine mit einbinden – das finde ich in einer Dorfgemeinschaft immer ganz besonders wichtig. Organisieren würde ich die ganze Sache natürlich selber, der Reingewinn käme dann der neuen Schaukel am Spielplatz Süd, Ecke Schützenstrasse/ Bruckgasse, zugute. Oder auch dem geplanten Altenwohnheim.

Apropos: Wussten Sie, dass das Südburgenland den höchsten Anteil an Rotlichtlokalen pro Einwohner in Österreich hat? Oder wussten Sie, dass es im Südburgenland 78 Millionen Bäume gibt?

Wenn ich wüsste, wie viele Rotlichtlokale in Betrieb sind und wie viele Aktive dort beschäftigt sind, könnte ich Ihnen auch sagen, wie viele Bäume es pro Puff und wie viele es pro Fräulein gibt. Ich habe aber Bekannte bei der Bezirkshauptmannschaft, beim Naturschutzbund und beim Südburgenland-Tourismus und gehe davon aus, dass ich die entsprechenden Statistiken demnächst an Sie weitergeben werde können.

78 Millionen Bäume auf die 100.000 Einwohner des Südburgenlandes, das ergibt 780 Bäume pro Person. Und wer hat sie gezählt?

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Ein typischer Arbeitstag in der Schützenstrasse

Bravsein? Sein allein reicht.

Hier in der Schützenstrasse 33 gehen die Badminton-Schlachten unvermindert weiter. Nur hie und da stört aufkommender Wind die Flugbahn des Federballes. Natürlich verbringen wir unsere Zeit nicht ausschließlich mit Brot und Spielen, auch wenn der zeitgenössische kunststoff-beschuhte Gentleman sich damit schon fast begnügt.

In meiner Kindheit hieß der Gentleman noch „Kavalier“. Ich selbst war mit fünf ein Prototyp des postfeudalistischen Kavaliers. Großtanten und sonstige Großbürgerliche, mit denen ich damals von Zeit zu Zeit zu tun hatte, waren von meinen vorbildlichen Manieren, vor allem meinem „Diener“, stets beeindruckt. Pez-Zuckerl und Drageekeks, MAOAM und Mannerschnitten fanden in beträchtlichen Mengen den Weg in meine Schatzschatulle.

Auch die Großeltern schwärmten von meinem disziplinierten Verhalten während ihrer ausgedehnten Mittagsschläfchen. „Brav“ nannte man das damals. Gibt es diesen Ausdruck heute überhaupt noch? Oder heißt das heute einfach „konsensfähig“ oder „verhaltensunauffällig“ ? Der MAOAM-Trick, wir können es täglich beobachten, wird von den Erwachsenen jedenfalls noch immer angewandt. Nur kommen die Kleinen jetzt auch ohne „Bravsein“ an die Leckereien. „Sein“ allein reicht auch schon.

Was ich bei Omis und Tanten an gutem Benehmen investierte, holte ich mir zuhause bei Eltern und Schwestern mit Wutausbrüchen und Zornestiraden wieder zurück. Brio-Eisenbahnen, Loks genauso wie Schienen, bewegten sich raketengleich durchs Kinderzimmer und fanden dabei leider auch manchmal ihr Ziel. Meiner Schwester zartes Köpfchen musste zweimal ambulant behandelt werden. Die Nahtstellen sind heute, nach 30 Jahren, kaum mehr zu sehen.

Gleichsam als Buße propagiere ich deshalb heute die „neue Behutsamkeit“ – weil’s mit der „alten Behutsamkeit“ eben nicht so funktioniert hat.

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Okmulgee meets Oberschützen

Gentlemen in Sandalen

Ich hatte heute Nachmittag das Vergnügen, mit dem 7-jährigen Amerikaner Jonathan Jones einige Runden Badminton zu schlagen. Obwohl wir uns darüber einig sind, dass es sich dabei um ein Spiel für Gentlemen handelt, verzichteten wir auf weiße Schuhe, weiße Hose und Poloshirt. Lederhose und Sandalen dominierten die Outfits, Gras und Erde hinterließen naturgemäß ihre Spuren, Gentlemen hin oder her.

Dieser austro-amerikanische Schlagabtausch fand auf meinem bescheidenen Anwesen zwischen Weichselbaum und Schaukel, Rosenbeet und Eibe statt. Das Equipment bestand, für Gentlemen selbstverständlich, aus echten Bambusschlägern, sowie Bällen mit Korkkopf und echten Federn. Geliefert wird dieses hochwertige Gerät von der Firma Manufactum, deren Werbeslogan „Es gibt sie noch, die guten Dinge“ für sich selbst spricht.

Gartenspiele sind meine heimliche Leidenschaft. Da gehört Boule genauso dazu wie Croquet, Volleyball, Frisbee, Vater-leich’-ma-d’Scher’, Abtatschen und alles, was so zum Repertoire unserer Kindheit gehörte. Frühstück, Mittag- und Abendessen im Garten, Picknicks, Kaffee am Tümpel und das letzte Glas von meinen 11 Frauen unterm Sternenhimmel, bevor der Schlaf sich quasi von selbst einstellt.

Da trifft es sich eben gut, wenn Mr. Jones sich hier ein Stelldichein gibt. Spielen gehört neben Essen und Schlafen zu seinen Kernkompetenzen. Wir können also Interessensüberschneidungen trotz kultureller Unterschiede feststellen, womöglich sogar Seelenverwandtschaft.

Apropos: Zur Stärkung unserer Seelen nahmen wir heute Nachmittag an der Kreuzwegprozession bei der katholischen Kirche in Bad Tatzmannsdorf teil. Mein Gast verstand zwar nichts, gab sich mir gegenüber trotzdem beeindruckt. Ein wohlerzogener junger Mann – alte Schule, versteht sich.

Etwas später gestand er mir allerdings, dass trotz allem „Spielen noch mehr Spaß macht als Kirchgang“.

Höhepunkte des Monats April

Was die letztens beschriebene ungeliebte Reklametafel an der Kreuzung Schützenstrasse/Pinkafelderstrasse betrifft, kann ich Ihnen heute noch keine Neuigkeiten liefern, bin aber selber sehr gespannt, ob unser Bürgermeister dem Aufsteller der geschmacklosen Hässlichkeit die Wadln viari g’richtet hat. Darüber hinaus darf ich das Dämmerschoppen des Fremdenverkehrs- und Verschönerungsvereins Aschau am 28.April ankündigen, zu dem ich gestern in meiner Funktion als Obmann des hiesigen na-Sie-wissen-schon brieflich eingeladen wurde – gemeinsam mit meinen mir anvertrauten MitgliederInnen.

Es sollte eine ziemlich scharfe Nacht werden. Nicht nur, dass das „Trio 2000“ musikalisch für Stimmung sorgen wird, sondern es ist, so steht’s jedenfalls auf der Einladung, „für Speise und Getränke bestens gesorgt“ und es gibt „viele wertvolle Warenpreise“ zu gewinnen. Höhepunkt und Hauptpreis: 1 Damenfahrrad von 2-Rad Fassl, Pinkafeld. Und das alles powered by Raiffeisenbank Oberschützen.

So, das sollte Anreiz genug sein. Beginn: 18 Uhr. Ende: Nie

Das wird für mich auch der Höhepunkt des Monats April sein, außer vielleicht dem 12.d.M., an dem ich die BEGAS zum Service meiner 25 Jahre alten Gastherme erwarte. Am 30. ist dann noch Restmüll und am selben Abend Verschönerungsvereinssitzung beim Mostschank Unger, wo von 19 bis 22 Uhr die beiden Pflanztermine für die Sommerblumen am Hauptplatz ausgeschnapst werden. Sie kennen das vielleicht: Es interessiert einen ja so sehr, wer wann warum keine Zeit hat.

Ich selbst hoffe zu solchen Terminen immer mit Auslandsaufenthalten auftrumpfen zu können. Zuerst lässt man die anderen zäh verhandeln, wenn nach 1 ½ Stunden schließlich Einigung über einen Termin erzielt wurde, lässt man dezent „….bin in Amerika, tut mir furchtbar Leid…“ fallen. So bleibt man interessant und entzieht sich zugleich elegant der Verantwortung.

Schlimmstenfalls muss man sich mit Konzerttourneen, Studioterminen oder Probearbeiten retten. Wenn nichts davon zutrifft (und belügen würde ich meine Mädels nie), dann ist man eben generell beruflich verhindert. Aber das ist schon so lahm, dass ich es als unter meiner Würde erachte, auf diesem Niveau zu agieren. Aber bisher hat sich immer noch irgendein wichtiger Termin ergeben…

Eine Niederlage von 2,5×4 Metern

Upsss - jetzt war ich ein bissl länger weg. Sollten Sie, wie Frau Neubauer, stutzig geworden sein und glauben, ich hätte es aus taktischen Gründen getan, dann liegen Sie, soviel darf ich Ihnen versichern, absolut nicht richtig. Ich war nur eben umständehalber 4 Tage offline. Keine Mails, kein Bloggen, gar nichts.

Dafür hatten Sie Gelegenheit, Hickersberger sein Lied zu memorisieren, und ich hatte Gelegenheit, in Linz die Botschaft vom Südburgenland und seinen wunderbaren Menschen, den Weinen, den Grammelpogatscherln und den Kanufahrten auf der Raab mit Gerald Feuchtl und Csilla Tschank zu verbreiten. Die Linzer haben sich total gefreut, dass das Südburgenland sie besucht und beschmankerlt hat, ich habe mich gefreut, ein paar Kabarettshows zu spielen und den Rest der Nacht mit den Granden der südburgenländischen Tourismus-Branche abzuhängen. Außerdem habe ich vier Schafe in Ostfriesland gekauft. Aber darüber ein andermal…

Oberschützen, die Stätte meiner Residenz, hat inzwischen wieder sehr an Attraktivität gewonnen. Bei der Kreuzung Schützenstrasse/Pinkafelderstrasse hat ein Stil-Gourmet aus Grafenschachen auf seinem Grundstück eine riesige Plakatwand positioniert, die für Ladies-Nights und Happy-hours in einer Discotheque wirbt. Nachdem ich das erste Mal daran vorbeigefahren war, berichtete ich meinem Notar sofort am Telefon von dieser ortsbildlichen Niederlage im Ausmaß von 5×8 Metern. Nachdem ich das nächste Mal vorbeigefahren war, musste ich feststellen, dass es sich lediglich um eine Niederlage von 2,5×4 Metern handelt. In meiner Phantasie war dieses Monster des schlechten Geschmacks gleich auf’s Doppelte angewachsen. Jetzt bin ich also nur mehr halb so entsetzt.

Der Gedanke an Auswanderung war mir vorübergehend gekommen, doch nach wenigen verwirrenden Augenblicken übernahm wieder die Vernunft die Steuerung meiner Gedankengänge. Wie ich die Reklamebombe entschärfe weiß ich noch nicht, vorläufig helfe ich mir damit, dass ich mir ihren Anblick erspare, indem ich mein Kraftfahrzeug durch die Bruckgasse, statt der Pinkafelderstrasse, in die heimatliche Schützenstrasse lenke. Auf die Dauer wird das aber nicht reichen. Haben Sie eine Idee?

Übrigens: Wenn Sie Lust auf Muffins haben, sollten Sie nach Rust fahren. Georg Schröck, Philosoph, Metal-Musiker und einer der Zwillingssöhne der preiseüberhäuften Weinbäuerin Heidi Schröck, verwöhnt sicher auch Sie gerne mit seinen exzeptionellen Backwaren. Adresse: Rust/See, Hauptplatz 8. Voranmeldung unbedingt notwendig. Wenn das Tor offensteht, ist auch jemand da. Wenn’s gerade keine Muffins gibt, fragen Sie einfach nach Wein. Oder berufen Sie sich auf mich, dann gibt’s vielleicht doch Muffins.

Worte, die Wunder wirken

Sie mögen es als Zeichen von Faulheit, Desinteresse oder Arroganz meinen Leserinnen gegenüber deuten, dass ich Ihnen heute nicht mehr biete als einen grindigen Songtext. Ich bitte aber um Verständnis für meine momentane Situation, die eine intensivere Beschäftigung mit diesem Tagebuch ganz einfach nicht zulässt.

Darüber hinaus ist mein Vertrauensmann bei der Raika Oberschützen-Bernstein-Wiesfleck sicher, dass das Lied, zu dem Sie nachfolgend den Text finden, wesentlich zur Leistungssteigerung unseres Fussball-Nationalteams beigetragen hat. Er ist nämlich selber Kicker, kennt sich also aus, und war zudem live dabei, als Österreichs Recken die Ghanesen am Samstag in Graz 1:1 schlugen.
Hier also die Worte, die scheinbar Wunder wirken:

Was macht da Hickersberger Pepi heut in Stegersbach?

Was macht da Hickersberger Pepi heut in Stegersbach?
Wer sind die jungen Herrn die ihn begleiten?
Was die Sache spannend macht
ist: Ich hege den Verdacht,
dass die Herren ein paar Siege vorbereiten

Was macht da Hickersberger Pepi im Balance Resort?
Wird er die Vorbereitung intensiv gestalten?
Dank der Pflege im Balance
besteht a echte Chance,
dass beim Match die Burschen die Balance halten

REF:
Jetzt tanzen, tanzen die Maskottchen zwischen Zürich und Stegersbach
Des werd’n ma wohl schaffen, das wäre doch gelacht
Ein paar Siege bei der Euro 2008

Da Michi Mörz spielt mit’m Stranzl einen Doppelpass
Worauf da Aufhauser Richtung Strafraum drängt
Die Pumpm geht dem Hickersberger
und da Druck wird immer Ärger
bis das Leder schließlich in den Maschen hängt.

Und wenn da Ivanschitz dem Gegner noch ein Gurkerl schiebt
Dann kommt im Prater erst so richtig Stimmung auf
Mit Stegersbacher Energie
zwing’ ma auch Frankreich in die Knie,
weshalb ich heut’ schon Tickets fürs Finale kauf

Jetzt tanzen, tanzen die Maskottchen…

Was macht da Hichersberger Pepi heut in Stegersbach
Was ist der Grund, dass man gerade hier trainiert?
z’erst wird richtig entspannt
im südlichen Burgenland
und dann werd’n die Schotten ordntlich abmontiert

Und wenn ich selber da Hickersberger Pepi wär,
hätt ich die Taktik, jeden Gegner zu besiegen:
Gebt’s ein g’scheites Tempo vor,
schiaßt’s am Anfang a poar Tor’
und dann verhindert’s, dass ma selber eines kriegen.

Jetzt tanzen, tanzen die Maskottchen zwischen Zürich und Stegersbach
Der Hicke ist der Mann der vieles möglich macht
Ein paar Siege bei der Euro 2008

Text & Musik stammen vom Inhaber dieses Webtagebuchs (aber das wussten Sie ohnehin schon).
Ich selbst steh’ ja eher auf Federball, aber wenn Sie sich trotz allem für Fussball interessieren, dann wird es Sie freuen, dass das Hickersberger-Pepi-Lied noch vor der EM auf Tonträger erscheinen wird. Vielleicht.

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