Ich werde regelmäßig wegen der Unregelmäßigkeit meiner Notizen in diesem Blog gerügt. Dies freut mich aber mehr als es mich schmerzt, ist es doch als ein Zeichen der Wertschätzung zu betrachten, wenn Menschen das zu lesen wünschen, was meinen Gedanken entspringt.
Gestern noch war ich in Srebrenica, jener Stadt, welche die Brutalität und das Leiden während des Jugoslawien-Krieges der 90er-Jahre symbolisiert wie kaum eine andere. Heute schon ärgern mich wieder die Nacktschnecken im Garten, die meine selbst gekauften Lupinen mit einer Unverfrorenheit attackieren und zerstören, die jedem Tschetnik zur (zweifelhaften) Ehre gereichen würde. Aber sonst sieht der Garten aus wie noch nie – farbenfroh, vielfältig und durchgejätet, dass ich selber staune, wie ich das ohne die Hilfe meines Gärtners schaffe. Johann ist nämlich auf Urlaub. Und das ständig. Deshalb kümmere ich mich einstweilen selber um die Pflege des Anwesens. Und das seit Jahren.
Tatsächlich ist es gar nicht so sehr der Gärtner, der mir fehlt. Den vertrete ich gerne, ich sollte sagen: Mit Leidenschaft. Was mir viel mehr fehlt ist jemand, der die Auftritte verhandelt, die Korrespondenz erledigt, die Briefmarken klebt, das Auto zum Service bringt, einkaufen geht, Milch holt, Bankgeschäft abwickelt, Beerdigungen, Hochzeiten und Verschönerungsvereinssitzungen an meiner Stelle besucht, Topfpflanzen gießt, meine Mittagessentermine koordiniert und hie und da einen ordinären Witz erzählt. Also ein Privatsekretär.
Ich habe mich schon ein wenig im Bekanntenkreis umgehört, aber Sie werden nicht glauben wie schwer es heutzutage ist, anständiges Personal zu finden, das dem oben beschriebenen Profil entspricht. Die Ausbildung an unseren Schulen ist zu einseitig, die Lohnerwartungen zu hoch. Vorläufig tu’ ich’s also selber. Da braucht es aber niemanden zu wundern, wenn ich nicht zum bloggen komm’.
Halten Sie mich bitte nicht für einen elitären, arbeitsscheuen Gockel (auch wenn ich es vielleicht bin). Ich wünsche ihn mir nicht als Statussymbol, schon gar nicht aus Faulheit, sondern einzig und allein, um meine Lebensqualität auf ein Niveau zu bringen, das mir erlaubt, mich einzig und allein dem Schönen, Guten und Gewinnbringenden zu widmen.
Sie sehen, die Eindrücke des Lebens in Bosnien haben mich als geläuterten, demütigen Menschen zurückkehren lassen.